Auftakt zur Serie Nostalgie

Früher war nicht alles besser. Wir versehen Erinnerungen gerne mit positiven Gefühlen, verklären und verfälschen sie. Aber das ist schön, denn wir schöpfen daraus Kraft.

Serie: Nostalgie.

Nostalgie erlebt ein Revival. Mit Kollegen schwelgen wir in Erinnerungen an die Schulzeit, in Berlin werden DDR-Ampelmännchen auf Postkarten gedruckt und die Mode kehrt zurück zu den großen Brillengestellen der Siebziger. Plötzlich hören wir Bekannte schon mit Mitte dreißig fragen: « War früher nicht wirklich alles besser? » Nein. Ich finde, es ist schön, heute zu leben. In einer Welt, in der man (noch) grenzenfrei durch Europa tingeln, sich an Foodtrends ereifern und WhatsAppen kann, statt Münzen in eine Telefonzelle werfen zu müssen.

Oh wie schön es damals war ...

Aber sich der Vorstellung von einem « Damals » als Zeit der Geborgenheit hinzugeben, vermittelt ein wohliges Gefühl. Früher, da fühlte man sich zu einem Ort zugehörig und im Elternhaus sicher. Man hatte weniger Verantwortung und verfügte über weniger Wahlmöglichkeiten, um sein Leben zu gestalten. Das Leben war damals nicht besser, aber scheinbar sorgenfreier und das ist ein Zustand, zu dem man manchmal gerne zurückkehren möchte.

Für viele ist Weihnachten eine Zeit, in der sie wieder den Zauber des Kindseins genießen oder sich danach sehnen. Tannenbaum schmücken, Kinderlieder singen, ach war das schön! Selbst das ungeduldige Warten auf den Weihnachtsmann erscheint rückblickend als eine Zeit mit Weichzeichnungsfilter, die einem heute noch das Herz warm werden lässt.

Warum Nostalgie wertvoll ist

Wenn wir in diese sehnsuchtsvolle Stimmung geraten, die wir Nostalgie oder Wehmut nennen, erinnern wir uns an Situationen, die wir mit Gefühlen von heute belegen. Jeden Tag zur Schule gehen empfanden wir damals wahrscheinlich als anstrengend, doch verglichen mit dem heutigen Druck am Arbeitsplatz kommt uns diese Zeit heute unbeschwert und sorgenfrei vor. Man hatte keine Projektdeadlines oder lästernde Kollegen und ums Geld musste man sich auch noch nicht selbst kümmern ... Die Angst vor der Klassenarbeit und das fiese Nachbarkind sind da schnell vergessen.

Wenn Nostalgie die Vergangenheit verfälscht, sollten wir nicht besser versuchen, immer nach vorne, statt zurück zu schauen? Nicht unbedingt. Die Wehmut lässt uns erspüren, was uns gerade fehlt. Ruhe? Ein Tag im Freien, wie damals, als man stundenlang im Freibad getobt hat? Es ist schön, sich den Erinnerungen hinzugeben und sie zu erleben, als wäre man gerade da.

Eine Sammlung besonderer Momente

Mir kam die Idee zu dieser Serie, als ich an der amerikanischen Westküste unterwegs war. Es war ein besonderer Moment, weit weg von allem, was ich kannte, in dem ich mich auf einmal wie zuhause fühlte ...

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Sprotten Stories, aufgenommen 2015 in New York und Kalifornien/USA.