Warum es okay ist, dass du deinen Traumjob noch nicht gefunden hast

Teil 2 der Serie: Der Weg zum Herzensjob

Vom Kindertraum zur Wirklichkeit?

Als Kinder wussten wir genau, was wir werden wollten: Sängerin! Gärtner! Astronautin! In der Schulzeit kam dann die Frage auf: Und was will ich wirklich werden?

Schon die Formulierung etwas werden wollen klingt danach, als müsste man einen Job finden, mit dem die eigene Persönlichkeit verschmilzt. Aber nicht jeder findet während der Ausbildung oder dem Studium heraus, was er danach machen möchte. Nach dem Abschluss beginnt man eine Stelle, die sich der Beschreibung nach ganz gut anhört. Doch dann (Panik!) merkt man, dass es nicht das Richtige ist. Während alle anderen um einen herum mit ihrer Karriere durchzustarten scheinen, fühlt man sich verloren. Die Unsicherheit verstärkt sich durch Diskussion über G8 und das neue Studiensystem, in denen Argumente angeführt werden wie: « Wenn die Kinder in die Arbeitswelt einsteigen sind sie ja noch gar nicht fertig ». OMG! Ich muss nach dem Uniabschluss vollkommen ausgereift sein, um einen Job zu beginnen? Sprich, genau wissen, wer ich bin und was ich machen will? Während alle um einen herum an ihrer Karriere basteln, fühlt man sich dem Druck ausgesetzt, nun schleunigst herausfinden, was man für den Rest des Lebens tun soll ...

Doch wann ist man eigentlich fertig? Meistens findet gerade in den ersten Berufsjahren eine enorme Weiterentwicklung der Persönlichkeit statt, weil man plötzlich Verantwortung für Aufgaben, Budget und Projektziele trägt. Darüber wird manch einem klar, dass einem nicht unbedingt die Dinge wichtig sind, von denen man dies selbstverständlich angenommen hatte. Immer den nächst höheren Posten anstreben zu wollen, immer mehr Verantwortung, noch mehr Karriere. Bei manchen ist es das Geld, das ab einem gewissen Level gar nicht unbedingt mehr werden muss, um die Zufriedenheit zu steigern, bei anderen ist es die Selbstständigkeit, die sich doch nicht so frei und ungebunden anfühlt wie erwartet.

Mit den richtigen Fragen zum Ziel

Das ist normal und völlig in Ordnung. Nicht zu wissen, worin der Traumjob besteht, gibt einem eine distanzierte Sicht auf die Situation und das ist mehr, als die meisten sich je zugestehen. Überleg dir, was dir aktuell am wichtigsten ist: Ist es deine oberste Priorität mehr zu verdienen, um einen anderen Lifestyle zu erreichen? Brauchst du eine längere Vertragslaufzeit, um Sicherheit aufzubauen? Oder ist eine Halbtagsstelle im Moment das richtige für dich, damit du mehr Zeit für eigene Projekte hast? Auch viele Fragen, die nicht direkt die Arbeit betreffen, können dich weiterführen: Möchtest du eine Zeit lang in einer pulsierenden Großstadt leben, um neue Menschen kennenzulernen oder auf einem Bauernhof das Leben fernab deines Alltags teilen? Wäre es langfristig schön, eine neue Sprache zu sprechen oder etwas anderes besser zu können?

Viele träumen davon, ein Hobby zum Beruf zu machen, doch die wenigsten tun es. Sie fürchten, keine Freude mehr an der Beschäftigung zu haben, sobald sie damit Geld verdienen müssen, denn Arbeit kann doch nicht mit Spaß zu tun haben, oder? Sie sorgen sich, weil die Konkurrenz so gut ist, Abgabetermine Stress verursachen oder weil sie plötzlich der Kritik von Kunden ausgesetzt sind (siehe dazu auch meinen Artikel Stimmen im Kopf). Yes, all diese Ängste haben ihre Berechtigung. Und stimmt, du wirst nicht sofort erfolgreich sein. Aber wenn du es nicht ausprobierst, wirst du es niemals erfahren.

Wie finde ich heraus, was ich möchte?

  1. Ändere etwas. Jetzt sofort. Wenn du bereits weißt, was dir an deiner Arbeit nicht gefällt, versuch eine Veränderung innerhalb der aktuellen Stelle herbeizuführen. Allein die Reduktion von Arbeitszeit reduziert den Druck. Wenn du von einem eigenen Business träumst, reserviere den Samstag, um aufzuschreiben, wie du am einfachsten dein Projekt an einer Zielgruppe testen kannst. Nutze deinen Urlaub, um einen Businessplan zu erstellen. Reduziere deine Arbeitszeit auf 80% und widme den freien Tag komplett deiner Vision. Du verzichtest auf Gehalt - aber du investierst es in deine Zukunft.
  2. Probiere die Walt Disney-Strategie, um herauszufinden, was du brauchst, um deinen Traum konkret umzusetzen. Möglicherweise fehlt nicht mehr viel.
  3. Hör auf darüber nachzudenken, was du "werden willst." Man braucht nicht den Job fürs Leben, sondern einen, der zur aktuellen Lebensphase passt.

So schrecklich es zunächst klingt: Deine Unsicherheit ist ein Trumpf. Manch einer hat mit vierzig ein Burnout, weil er sein Hamsterrad nie verlassen hat. Du hingegen öffnest dir die Möglichkeit, über deine Träume nachzudenken. Also: Worauf wartest du? ;)

Im nächsten Teil der Herzensjob-Serie geht es um die Frage, wie viel Zeit Veränderung braucht. An alles, was neu ist, müssen wir uns erst gewöhnen, so sehr wir uns die neue Situation auch gewünscht haben. Wie wir damit umgehen? Bald erfährst du mehr...

Alle Fotos made by © Sprotten Stories. Aufgenommen 2017 in Frankfurt.