Zurück auf Deutschlands nördlichste Insel

Früher war nicht alles besser. Wir versehen Erinnerungen gerne mit positiven Gefühlen, verklären und verfälschen sie.
Aber das ist schön, denn wir schöpfen daraus Kraft.

Teil 2 der Serie « Nostalgie ».

Von Nora

Das Sylt meiner Kindheit - ein Wiedersehen voll Erinnerungen

Sylt, oder Söl – wie die Nordfriesen sagen, ist die viertgrößte Insel Deutschlands und seit 1927 durch den Hindenburgdamm mit dem Festland verbunden. Bereits bei der Fahrt mit dem Autozug über den Damm tauche ich wieder ein in die wundervollen Erinnerungen meiner Kindheit. Jetzt beginnt der Urlaub! Rechts und links weiden die Schafe und das Wattenmeer wird als Vorbote der Insel sichtbar.

In diesem Jahr geht's zurück zu all den „Hotspots“ von früher. Zurück zum Inbegriff von Schulferien, Unbeschwertheit und der Gewissheit, dass wohl das eine oder andere Kilo mehr auf den Hüften wieder mit nach Haus fährt, denn am Essen kommt man hier nicht vorbei. Statt im Auto der Eltern sitze ich auf dieser Fahrt nach Sylt das erste Mal mit Mann und Hund im eigenen Auto und spüre diese fast unaushaltbare Spannung, wie es den beiden Insel-Neulingen wohl gefallen wird.

Sobald wir das Ufer erreichen, ist alles wieder da: Die wunderbaren Sandstrände und Dünenlandschaften, die sich an der Küste erstrecken und (zu jeder Jahreszeit) zu ausgiebigen Spaziergängen und Faulenzertagen im Strandkorb einladen. Die kleinen Örtchen, durch die man auch bei „Schietwetter“ auf Sylt wunderbar bummeln kann. Kampen zum Beispiel ist auch heute noch für seine wunderhübschen reetgedeckten Häuschen bekannt, welche sich hinter Friesenwällen und Sanddornhecken verstecken. Da die Preise nicht ins Budget des Normalsterblichen passen, bleibt‘s hier zwar beim Schaufensterbummel, doch der gehört damals wie heute einfach fest zum Besuchsprogramm. Die anderen Orte auf der Insel bieten viele kleine, inhabergeführte Geschäfte, in welchen ich immer etwas Hübsches finden kann. Übrigens damals wie heute echt Sylt: Fast überall wird man geduzt. Genau das ist es, das Unkomplizierte, das Echte und Direkte, das ich hier mag. Es ruft in mir das Gefühl wach, wieder Kind sein zu dürfen.

Die Insel hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und verändert, doch der Charme von damals ist geblieben. Nicht zuletzt, weil alle markanten Plätze und Gegebenheiten noch da sind und zum (Immer-) Wiederkommen einladen.

Meine damals-wie-heute-Lecker-Schmecker-Tipps:

Kupferkanne (Kampen): Am schönsten sitzt man hier draußen, in den Hecken zwischen den Dünen. Unbedingt probieren: Kakao mit Sahne, dazu ein Stück hausgemachten und weltbesten Kuchen, oder aber das Kupferkanne-Frühstück mit Backwaren aus der eigenen Backstube und Kaffee aus eigener Röstung – mein absoluter Kindheitsduft, welcher bereits auf dem Parkplatz die Gäste empfängt!

Kleine Teestube (Keitum): Wer hier Kaffee trinkt, ist selber schuld. Eine umfassende Teekarte und leckere hausgemachte Kuchen oder auch ein Frühstück zum Start in den Tag – ein absolutes Muss beim Inselbesuch!

Sansibar (Rantum) - Die wohl berühmteste „Strandbude“ der Welt mit einem der erlesensten und teuersten Weinkeller. Die Sansibar vereint alles, was Sylt für mich ausmacht: Nordische Lebensart, Sand zwischen den Füßen und leckeres Essen. Tipp: Noch vorm Urlaub einen Tisch zum Brunch reservieren! Die Currywurst zum Frühstück ist das absolute Highlight, am besten kombiniert mit dem hauseigenen Prosecco. Man gönnt sich ja sonst nichts!

Manne Pahl (Kampen) - Gehobene Küche und Kampener Preise, und dennoch: Bereits zu Kindertagen, aber auch heute noch ist der Blaubeerpfannkuchen für mich die schönste Belohnung nach einer Strandwanderung von Westerland nach Kampen (ca. 8 Kilometer vorbei am Roten Kliff von Kampen und der Uwe-Düne).

Osteria (Westerland Campingplatz) - Italienische Küche inmitten der nordfriesischen Dünen. Wer Glück hat erwischt drinnen einen Platz, bei dem die Füße im Sand und der Rest im Strandkorb Platz nehmen darf. Das „Spätaufsteher-Nachtschwärmerfrühstück“ ermöglicht ausgiebiges Frühstücken von 12.00 Uhr bis 17.00 Uhr.

Bäckerei Abeling (Westerland + Wenningstedt) - Kleine, feine Traditionsbäckerei mit himmlischen Backwaren. In der Hauptsaison reiht man sich hier gern mal in eine Schlange für Brötchen ein, die weit aus dem Laden hinausreicht. Und wer genau hinschaut, der entdeckt Abelings Brötchen sogar beim Brunch in der Sansibar wieder.

Crêpes-Buden - Überall auf der Insel gab’s früher weiß-lila Büdchen auf Rollen, die den Duft von frischen Crêpes mit Zimtzucker verbreitet haben. An ihrer Stelle stehen nun kleine Läden, aus denen aber zum Glück noch genau der gleiche Duft strömt... Die französischen Gebäcke vermutet man im Norden eher weniger, trotzdem sind sie hier unverzichtbar und meine persönliche Assoziation zu diesem wunderschönen Eiland!

Neue Lecker-Schmecker-Tipps:

Brot & Bier (Keitum) - Hier gibt’s nicht nur hausgemachte Stullen, sondern das erste Sylter Bier mit dem passenden Namen „Watt Blondes“. Friesisch lecker!

Beach Box (Westerland) - (Noch) ein absoluter Geheimtipp. Klein und versteckt am Ende der Käpt‘n-Christiansen-Straße direkt am Strandübergang befindet sich die Beach Box. Eigentlich ein Steh- und Mitnehmimbiss, mit außergewöhnlichen und leckeren Burgern.

Wonnemeyer (Wenningstedt + Weststrand)- Vorher kleine Strandgastronomie in Wenningstedt. Inzwischen noch ein zweites Mal auf der Insel vertreten am Weststrand, am sogenannten Ellenbogen (übrigens ein wunderschöner Strandabschnitt!). Es gibt eine kleine Karte, aber erlesenes Essen.

Shopping und Ausflug

...nicht nur bei gutem Wetter zu empfehlen:

Sylter Werkstätten (Tinnum): Eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Der angeschlossene Shop verkauft die selbsthergestellten Müslikreationen der kleinen Manufaktur sowie Kerzen und weitere Produkte aus befreundeten Werkstätten - auch online! Super für ein Mitbringsel für die Lieben daheim. Weitere Infos

Lister Hafen (List) - Shopping, und Schlemmen, oder einfach nur Verweilen...

Stil und Blüte (Keitum): Verwunschenes kleines Blumenlädchen. Hier gibt’s allerdings neben Blumen auch tolle Geschenke und Selbstgemachtes.

Die fünf Leuchttürme prägen das Landschaftsbild und wirken in der digitalisierten Welt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Umso schöner, dass die leuchtenden Riesen noch immer in Benutzung sind und am Abend ihr Signal senden. Tipp für Brautpaare: Im Leuchtturm von Hörnum kann man sich sogar trauen lassen :) :) :)

Zu Teil 1 der Serie Nostalgie

Alle Fotos und Text made by © Nora Menne-Walden Aufgenommen auf Sylt