Cognac, Weinberge und Lebenslust

Malerisch im Herzen der Weinberge gelegen wirkt die Altstadt von Cognac wie ein verwunschener Ort, an dem die Zeit stehen geblieben ist. Die Geschichte des jahrhundertelangen Wein- und Cognacanbaus ist überall gegenwärtig. Wir machen eine Führung bei Martell.

Kein Weinbrand der Welt darf sich Cognac nennen, wenn er nicht aus dem gleichnamigen Ort kommt. Das ist für unseren Führer eine Herzensangelegenheit. In den Kellergewölben der Destillerie lagern die Eichenfässer, die dem Cognac seine goldene bis braune Färbung und einen wesentlichen Bestandteil seines Geschmackes vermachen.

Zweimal werden die gepressten weißen Trauben destilliert, bis das Eau de Vie entsteht. Die Tradition gibt vor, dass ein Cognac aus verschiedenen Branntweinen unterschiedlicher Jahrgänge sowie aus verschiedenen Anbauorten (Lagen) gemischt wird. Dies bezeichnet man als assemblage oder Komposition. Die Lagerdauer hängt von der Herkunft des Destillats ab. Einige Cognacs sind nach vier Jahren reif. Die Cognacs aus aus den besten Lagen brauchen wesentlich länger: Ein V.S. (Very Superior) ist mindestens zwei Jahre alt, ein V.S.O.P. (Very Superior Old Pale) mindestens vier und ein als Napoléon, XO, Extra, Hors d‘âge, Royal, Très Vieux oder Vieille Réserve gekennzeichneter muss mindestens zehn Jahre gelagert sein.

Unser stolzer Führer, der in Frack und Fliege so wunderbar in die Kulisse des alten Hauses passt, lädt im Anschluss an den Rundgang zum Probieren ein. Zuerst testen wir einen V.S. mit Ginger Ale. Der Cognac verleiht dem Longdrink eine feine Note und ist für uns die wahre Entdeckung dieses Abends. Mild und lecker, ideal auch für alle, denen Hochprozentiges zu stark in der Kehle brennt. Der VSOP und XO werden pur in kleinen, hochgeschlossenen Gläsern (Sniffer) gereicht, in denen die Aromen besser geschmeckt werden können, als in bauchigen Gläsern. Der VSOP schmeckt weich und voll, der gereichte XO weist eine herbe rauchige Note auf. Ideal zur Zigarre, rät unser Führer, aber angesichts der Preise des XO sind wir ganz froh, dass wir nicht rauchen.

Zwölf Uhr mittags. Beschwipst laufen wir durch die kopfsteingepflasterten Gassen des ach so typisch französischen Städtchens. Der feine Geruch des Cognac folgt uns immerzu. Unsichtbare Rauchpartikel aus den Schornsteinen der Destillerien haben manche Häuserfassaden angeschwärzt. Wir entdecken weitere bekannte Traditionshäuser: Hennessy, Camus, Otard, Rémy Martin.

Die Straßen sind voller Leben. Die Cagouillards sitzen auf den Restaurantterrassen, kleine Geschäfte und Bäckereien reihen sich aneinander. Wir kaufen Baguette, Brie und Weintrauben, und finden einen Platz zum Picknicken, direkt an der Charente. In der Tallage von Cognac herrschen häufig zehn Grad mehr als an der Atlantikküste, das heißt im Sommer wird es hier richtig heiß. Das Frühjahr bietet sich damit besonders für eine Führung an. On y va? :)

Cognac-Longdrink

  • 35 ml Martell V.S.
  • 15 ml Johannesbeerlikör
  • 10 ml Zitronensaft
  • Ein Schuss Gingerbeer

Alles in einem Glas verrühren, Eiswürfen hinzugeben und mit einer Scheibe Zitrone dekorieren.

Alle Fotos made by © Sprotten Stories. Aufgenommen in Cognac/Frankreich.