Sprotten Talk mit ... Annie Ueyama

Fitnesstrainerin, Gründerin und Visionärin – Annie Ueyama ist eine Frau mit vielen Hüten. Und jeden Hut trägt sie mit Begeisterung. Im Sprotten Talk spricht sie über ihr Fintech-Projekt in Tansania, ihre Leidenschaft für Sport und ihr Energiequellen.

Um in Japan Stadtentwicklung zu studieren, kehrte Annie von New York nach Osaka zurück. Sie hatte den Plan, im Land ihrer Vorfahren als Ingenieurin zu arbeiten. Alles lief gut, solange sie viel arbeitete. Doch als sie den wenigen Urlaub nehmen wollte, der ihr zustand, mahnte ihr Arbeitgeber sie ab. In Urlaub fahren? Dazu ist in Japan keine Zeit. „Japan hat die längste Lebenserwartung der Welt und dennoch sterben viele Japaner, wenn sie in Rente gehen, weil sie krank werden oder vereinsamen. Sie haben ihr Leben lang nichts anderes als ihre Arbeit gehabt.’’ Diese bedrückende Feststellung trieb Annie dazu an, sich intensiv mit der Frage zu beschäftigen, wie man den Menschen helfen könnte, umzudenken. Mit Sport, davon war sie von überzeugt, würden die Menschen in ihrer Heimat nicht nur gesundheitlich vorsorgen, sondern sich ein soziales Netz aufbauen können, das ihnen auch im Alter Halt geben würde.

Japan pflegt seine Kranken – woanders beugt man vor

In Australien entdeckte sie einen Studiengang zum Sports Volunteering. Kurzerhand zog sie noch einmal auf einen anderen Kontinent und studierte ein weiteres Mal. Sie arbeitete bei den Olympischen Spielen in London im Rahmen eines Integrationsprojekts von Unicef und in vielen anderen Sportprojekten. Seither hat sie viele Freiwillige auf der ganzen Welt für ein Leben in gesundheitlicher und sozialer Balance begeistert. Für ein Leben, in dem man etwas gemeinsam mit anderen für sich selbst tut.

Inzwischen ist Annie als Fitnesstrainerin in Frankfurt für Schwangere und (frisch gebackene) Mütter tätig. Vom Big Apple an den Main, really ? „Ich mag Frankfurt!“ Annie lacht. „Und Deutschland. Die Menschen hier sind so naturverbunden!“ Außerdem gibt es Vorsorgeprogramme und viele Sportbegeisterte.

Annies besonderes Verhältnis zur Natur ... und zum Menschen

Aus Liebe Natur zur bestieg sie vor drei Jahren den Kilimandscharo. Ihr ging es dabei nicht darum, sich selbst zu finden oder den Kopf freizukriegen. „You don't dump your shit in nature!“, zwinkert sie. Annie hoffte vielmehr auf die Chance, an einem der wenigen klaren Tagen den Blick vom ,,Roof Top of Africa‘‘ erleben zu dürfen.

„Despite long preparation and struggle to climb, the goal may elude you just like that because that’s what happens in the nature. Unlike the European Alps, Aconcagua and many other mountains, the Kilimanjaro requires no technical skills and the visibility is generally good aside from cloud at lower altitudes, yet the unpredictability of the weather, the thin air of high elevation, and the potentially dangerous effects of altitude sickness is the same as any other. Only when the nature lets us see the view, will we get to enjoy it. Therefore we need to be humble in the nature and mountain makes people humble.“ Nach vorne schauen, das ist es, was für sie zählt. Sie hatte Glück. Sie bekam den Weitblick und daraus entwickelte sich – typisch Annie! – wieder etwas Neues. Als sie beobachte, wie die tansanischen Berghelfer von den Tourismusanbietern ausgebeutet werden (selbst von den vermeintlich fairen!) entflammte ihr Gerechtigkeitssinn. Wie könnte man den lokalen Berghelfern ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen? Annie machte sich an die Konzeption eines Projektes. Aus ihrer Vision ist das Projekt Polepole entstanden, das vom Social Impact Lab Frankfurt durchgeführt wird, gefördert von der KFW-Stiftung.

Fitnesstrainerin, Gründerin, Visionärin? Annie ist eine Frau mit vielen Leidenschaften. Woher nimmt sie all diese Energie? „Ich vergeude meine Kraft nicht damit, etwas festzuhalten, sondern verwende sie darauf, neue Dinge zu entdecken, die mein Leben bereichern können. Jede Entdeckung gibt mir wieder neue Energie. Ich habe mir selbst einen Energiekreislauf geschaffen!“

Vier Fragen an Annie

Ein großer Traum von dir?

Dass die Berghelfer vom Kilimandscharo die Möglichkeit bekommen, in ihr eigenes Leben zu investieren statt ausgenutzt zu werden. Jeder Mensch auf dieser Erde sollte diese Möglichkeit erhalten! Was mich angeht, wünsche ich mir, ein facettenreiches und kreatives Leben zu führen. Daher möchte ich mir auch mehrere berufliche Standbeine haben. Ich möchte niemals aus Sicherheitsdenken irgendwo stecken bleiben. Mehre Standbeine zu haben ist mein Weg, mir Sicherheit aufzubauen.

Wenn du dich für eine Woche irgendwohin aussetzen lassen könntest, würdest du … ?

Ich würde einen Kurs für japanisches Kochen belegen. Nach meinem letzten Aufenthalt in Tansania habe ich den puren Geschmack von Gemüse und Fleisch wiederentdeckt, als ich das lokale Essen einer tansanischen Familie teilen durfte. Es schmeckte so viel besser als all die überwürzten Gerichte, die wir hier gewohnt sind! Der pure Geschmack von Lebensmitteln entspricht auch der Art und Weise, wie Essen in meiner Kultur zubereitet wird, daher möchte ich unbedingt die Grundlage des japanischen Kochen lernen.

Einer früheren Version von dir würdest du den Ratschlag geben … ?

Über die frühere Version meiner Selbst nachzudenken ist etwas, was ich oft tue. Aber mein früheres und mein heutiges Ich vergleichen und dann die Vergangenheit bereuen, das tue ich nicht. Ich glaube fest daran, was Ichiro Suzuki (Baseballspieler aus der MLB) vor ein paar Jahren in einem Interview sagte: „Comparing yourself then and now is simply rude to yourself back then who gave the best possible at that moment.“

Daher ist der einziger Ratschlag, den ich habe: Bleib bei dir! Belade dich nicht mit zu viel Materiellem.

Alles im Leben wird ein bisschen schöner mit ... ?

Respekt :-)

Fotos von Annie Ueyama.

Some thoughts from Annie about the photos:

Summit hike over the night and in slight steep hill shows what hiking is like on Mt. Kilimanjaro. Also the view of the summit (5,895 meters) from 2/3-way, to the view of the surrounding environment from the top and2/3-way. This is my fascination point from Mt. Kilimanjaro. You are way above clouds and Mount Meru (4,565 meters) height yet you’re not at the top yet ... When you get to the top, it's actually quite flat ... The giant glacier is no longer as giant as it was many years ago and this will unfortunately in next 20 years disappear do to global warming ... This water of Mt. Kilimanjaro is the life source for regions surrounding thus leaves significant worry factors behind the glacier melting ... One photo was taken while conducting interviews to 60 porters this year to better understand their life. I hung out with a porter team for two weeks to learn about their life and tagged along when they departed on their 10 days expedition with 8 guests from Australia. The baggage preparation and checking of the crew is seen on some photos.