Der einsamste Ort im State of New York

„The End" nennen die Einwohner von Montauk ihren Heimatort. Die New Yorker fahren hier her, um ihren Blick in der Brandung zu verlieren und einfach zu sein … Das Ende des Landarms, der vor der City of New York in den Atlantik ragt, erreicht man von Manhattan aus nach dreistündiger Fahrt. Zumindest, wenn man vor 15 Uhr los kommt. Sonst braucht man für die 120 Meilen vier bis fünf Stunden, am Freitag sogar sechs. Aber die Fahrt lohnt sich.

Vom Big Apple geht es erst über die Brooklynbrigde durch das Verkehrsdickicht von Brooklyn und Queens, bis die Straße allmählich schmaler und der Straßenrand immer grüner wird. Auf dem Sunrise Highway schlängeln wir uns durch kleine Kreisverkehre und durchqueren die (kurze, und daher fast unauffällige) Prachtstraße von East Hampton. Hier also hat Gossip Girl Serena ihre Ferien zugebracht …

Immer ostwärts, dorthin wo die Sonne aufgeht

Danach wird die Luft salziger, frischer und wir schmecken das Meer, das wir bis hierin noch kein Mal gesehen haben, denn die Straßenseiten bleiben dicht bewaldet. Wir vermuten zwischen den Pinien die Wochenend- und Sommervillen der New Yorker, aber der Reichtum zeigt sich nicht. Im Gegenteil, Long Island scheint an diesem Zipfel wie ein Stück Natur, der nur abschnittsweise bewohnt scheint. Wir erreichen Lake Montauk, den See, an dem das Blue Haven liegt und packen unsere Koffer aus. Die Gäste grüßen, Kinder laufen in Flip-Flops herum, es ist Sommer. Wir tauchen in die easy going Stimmung ein des Strandorts ein. Zu sehen gibt es in Montauk nicht viel. Einen Leuchtturm, Strände und Surfshops. Ein paar Restaurants, das nötigste an Lebensmittelläden und natürlich eine Bagelbäckerei, denn kein Amerikaner kann ohne (und wir auch nicht, seitdem wir das erstmal amerikanische Luft geschnuppert haben).

Das Nichts macht Montauk so besonders

Nach Montauk fährt man nicht wegen der Dinge, die es dort gibt, sondern wegen dem, was es dort nicht gibt. Nach einer Woche Metroquietschen und Polizeisirenen, die die vierspurigen Avenues von New York zu jeder Tages- und Nachtzeit hoch- und runter schallen, ist es die Auszeit, die wir brauchen. New York ist großartig, aber die City bordet zu jeder Zeit über vor Lichtern, Lärm und Leuten. Das Fischerdorf am Land’s End wirkt wie ein Gegenentwurf zur pulsierenden Metropole. Schrill und skurill versus unauffällig und ursprünglich.

Ein bisschen Sylt-Flair in New York?

Montauk wird häufig als das Sylt des State of New Yorks oder gar Amerikas betitelt. Auch hier am Atlantik gibt es das Schauspiel der Gezeiten und die raue See, wohlhabende Urlauber, Fischrestaurants und Chardonnay. Den darf man aber anders als auf Sylt nicht am Strand trinken (It’s America!) und bei der Nordsee kommen mir kilometerlange Strände in den Sinn, die wir in Montauk vergeblich suchen. Aber genau die Mischung aus Urlaubsort, Dorfgemeinschaft und entspanntem Lebensgefühl ist es, die diesen Ort von vielen amerikanischen Städten unterscheidet, die am Meer liegen, es aber nicht in Wert setzen. Wir fühlen uns wohl in Montauk. Der Wind in den Dünen, die Salzkruste in den Haaren, die Gedanken in den Wellen. Das Küstenkind sagt: Ein bisschen wie zuhause.

Übernachten

Blue Haven - Simpel, aber nicht zu sehr, und einfach zum Wohlfühlen: Das Blue Haven, ganz in der Nähe des Lake Montauk, mit seiner Veranda, die zum Frühstücken in der Morgensonne einlädt. Aber Stopp: Das Frühstück muss man sich selbst besorgen. Dafür gibt es frischen, guten Kaffee. Für ein amerikanisches Motel etwas Besonderes :)

Sehenswertes

Wer von der See kommt und bereits viele Leuchttürme gesehen hat, sollte die 11 $ für die Begehung sparen, zu denen noch 8 $ Parkgebühren hinzukommen (man darf nirgendwo auf der Straße halten ...) Wie gesagt: Nach Montauk kommt man nicht, um etwas zu besichtigen, sondern wegen der Stimmung. Einen guten Blick auf den Leuchtturm hat man, wenn man dem Pfad links neben dem Leuchtturm folgt, der an der Wasserkante endet.

Strand

In der Nähe des Leuchtturms gibt es einen Strand, der als public beach ausgewiesen wird, einen jedoch ohne Ticket teuer zu stehen kommt. Die Tickets erhält man ausschließlich bei seiner Unterkunft – wenn sie denn welche hat. Doch die Gebühr ist leicht gespart, denn direkt am Dorfkern gibt es ein viel längeren und schöneren Strandabschnitt. Wer Glück hat, stolpert in den Filmdreh von Homo Faber, The Affair, oder was sonst gerade wieder in Montauk gedreht wird, denn Filmschaffende wie Künstler fühlen sich von diesem Stückchen Nichts angezogen, seitdem es New York gibt.

Frühstücken

Goldberg's Famous Bagels - Alle Bagels und Flagels sind yummi. Meine Favoriten: whole wheat Bagel mit walnut marple sirup-cream cheese oder cinnamon raisin mit blueberry oder onion cream cheese, aber auch die Omeletts sehen lecker aus.