Sonnenstadt Montpellier

Kann man es glauben? 15 Jahre ist es her, dass ich das erste Mal in Montpellier war. Damals hat man noch analog fotografiert :D Für diesen Beitrag habe ich zur Digitalkamera gegriffen und einige der alten Bilder abfotografiert. Inzwischen hat sich viel verändert: Zu den beiden bunten Trams ist noch eine dritte hinzugekommen, die direkt zum Strand fährt und mir wird berichtet, dass es in der Altstadt lebendiger her geht denn je. Straßenkünstler, Flohmärkte und Eisverkäufer - zwischen der Place de la Comédie und dem Kongresszentrum ist einfach immer etwas los. Die großartigen historischen Fassaden hingegen sind genauso unverändert geblieben wie die Sonnenlieben der Bewohner und Gäste, die jedes freies Plätzchen nutzen, um ihr Gesicht dem strahlend blauen Sonne entgegen zu recken.

Serie: Sommerstädte

Die Montpelliérains werden mit 300 Sonnentagen im Jahr verwöhnt. Eine mehrtägige Wolkendecke wird mit Kopfschütteln kommentiert. Déprimant, heißt es. Deprimierend. Während die Kieler nach drei Tagen Bindfadenregen beschließen, in Gummistiefeln und Kapuzenmantel vor die Tür zu gehen, um dem Regen zu trotzen, gilt ein windstiller Tag mit Wolken in Südfrankreich als schlechtes Wetter.

Zum Glück strahlt fast immer die Sonne. Dann ist es einfach herrlich, vom Plateau des Peyrouplatzes zunächst ein Foto vom majestätischen Aquädukt, les arceaux, zu schießen, um dann in die entgegen gesetzte Richtung durch die Rue Foch und die Rue de la Loge ins Centre ville zu spazieren. Die autofreie Innenstadt lädt zum Kaffeetrinken, Verweilen und Shoppen ein. Charmante Läden und Restaurants finden sich vor allem in den Gässchen zu beiden Seiten der Rue Foch. Das beste italienische Essen genießt man auf der Terrasse der Pizzeria Don Peppino in der Rue Saint-Pierre. Wer der Straße folgt, trifft kurz darauf auf die Cathédrale Saint-Pierre und befindet sich nun mitten im hübschen Gässchen-Wirrwarr. Aber keine Angst: So groß ist es auch wieder nicht. Wenn man sich bergauf hält, landet man automatisch wieder auf der Fußgängerzone.

Auf der anderen Seite der Rue de la Loge, direkt hinter dem Place Jean Jaurès befindet sich die Rue de l'Argenterie, eine meiner Lieblingsgassen. An der Ecke zur Rue de demain (der Straße von morgen, was für ein verträumter Name!) lässt man sich schnell von dem Bilderlädchen Images de Demain hinreißen, ein paar Post-/ bzw. Kunstkarten zu kaufen. Der Rue de l'Argenterie folgend findet man schöne Boutiquen, bis man schließlich in der Rue Jean Moulain landet, in der ein Restaurant nach dem anderen einlädt. Wer keinen großen Hunger hat, aber doch gourmand ist, kauft sich am unteren Ende der Straße ein echt französisches Croissant in der Boulangerie Boula Latine. Eine Sünde aus Butter und Zucker, mais c'est trop bon, es schmeckt einfach zu gut!

Zum Meer

Wer nach dem Stadtbummel an den Strand will, nimmt die Tram Linie 3 Richtung Carnon. Dass Montpellier nicht direkt am Meer liegt, ist für die Bewohnern eine nie heilende Wunde, aber man ist in 15 Minuten da! Es erwarten einen viele Restaurants Cafés, lange Strände und natürlich das Mittelmeer! Schön ist es auch im Nebenort Palavas-les-Flots, von Carnon und Montpellier erreichbar per Bus.

Übernachten

Natürlich gibt es Ferienwohnungen, airbnb-Zimmer sowie ein paar wenige Hotels nahe des Centre-Ville. Doch die besonderen Unterkünfte Montpelliers sind die historische Stadthäuser, die früher überwiegend im adligen Besitz waren. Allein aufrund ihres architektonischen Charms und der verwunschenen Innenhöfe sind die hôtels particuliers eine Besichtigung wert. Touren können über das Fremdenverkehrsbüro gebucht werden. Da die hôtels particuliers dem Adel früher nicht nur zum Wohnen, sondern auch zur Ausrichtung gesellschaftlicher Empfänge dienten, werden die Säle mancher Stadthäuser von ihren Besitzern für Veranstaltungen und Ausstellungen angeboten. Andere beherbergen Museen und in manchen kann man übernachten. Hübsche Stadthäuser mit Gästezimmer findet man über die Seite der Touristenauskunft oder Vente sud.

Essen

Pizzeria Don Peppino - nahe der Cathédrale St. Anne in der Rue Sainte-Croix gelegen. Fantastische Pizzeria mit Terrasse zwischen den engen Altstadtgassen.

Playfood - Chic, bio, vegetarisch bis vegan. Von der Vorspeise bis zum Dessert wird jedes Gericht im Glas serviert. Was wir vom Nachtisch kennen, ist für eine Hauptspeise erstmal gewöhnungsbedürftig. Aber das Tolle an dem Konzept: Es lädt zum Probieren ein.

L'image - Hervoragende Mittelmeerküche in einem gemütlichen, irgendwie so typisch französischen Restaurant. Fast hätte ich mich getraut, die Weinbergschnecken zu probieren, weil selbst die so lecker aussahen ...

Au bonheur des tartes - Tarterie, Burger, Lunch, Boutique. Mit dieser Selbstbeschreibung ist alles gesagt (außer, dass man dort auch abends essen kann :)). Ein hippes Restaurant, in dem man gemütlich sitzt, aber auch Speisen mitnehmen kann.

L'endroit - eine gehobene Karte mit ausgezeichneten Tapas, Platten zum Teilen, Probiermenü und gutem Wein. Wenn es etwas Besonderes sein soll.

Aux deux fondues - Nur im Winter zu empfehlen. Rustikal und perfekt für ein geselliges Essen mit vielen Freunden!

Fotos von Julia Ostkamp (auch Teaserfoto) und Sprotten Stories