Wann können wir wieder nach Tataouine?

Der Süden Tunesiens - traumhafte Kulisse und Trostlosigkeit. Enttäuschung und Hoffnung. Was Star Wars inspirierte, prägt auch sechs Jahre nach der Revolution das tunesische Hinterland.

Am äußeren Rand der Galaxis befindet sich der Planet Tatooine. Sandstürme und Sonnenhitze beherrschen die Wüstengegend, in der Schmuggler ihren Rückzugsraum gefunden haben. Fernab der Machtspiele, die Republik und Imperium ausfechten, zieht der Clan von Jabba the Hut die Fäden auf dem dünn besiedelten Planeten.

Die Entwicklung des tunesischen Südens

Tatsächlich lange Zeit von staatlichen Förderprogrammen vernachlässigt, liegt, im südlichen Zipfel Tunesiens, die Stadt, die die Star Wars-Produzenten inspirierte: Tataouine. Das Tor zur Wüste, Hauptstadt des größten tunesische Verwaltunsbezirks. Die gelbbraunen Berbersiedlungen der Gegend bestimmen die Farben, die wir von den Jedi-Kämpfen auf dem Star Wars-Planeten Tatooine kennen. Gedreht wurde dafür in Touzeur, Matmata, Medenine und weiteren teils wunderschönen, teils verlassen wirkenden Orten Tunesiens, sowie auf der Insel Djerba, der einstigen Hochburg des deutschen Tourismus.

Der 14. Januar - ein historischer Tag

Am 14. Januar ist es genau sechs Jahre her, dass das tunesische Volk seinen Präsidenten zur Flucht zwang, der das Land wie ein Diktator beherrschte. Seitdem hat sich in dem kleinen Land am Mittelmeer viel verändert. Es gibt mehr Demokratie, mehr Freiheit, mehr Stimmen. Aber auch immer noch Vieles von dem was seit Jahrzehnten die Zustände im Hinterland seit langem prägt.

Die deutsche Regierung warnt davor, die imaginäre Sicherheitslinie südlich von Tataouine zu übertreten. Anfang 2016 kam bei Protesten gegen eine Ausreiseteuer, die den Handel mit Libyen als wichtigste Einnahmequelle des tataouinischen Gouvernorats einbrechen ließ, ein Demonstrant ums Leben. In der Grenzregion südlich der Stadt blüht der Schmuggel. Das Risiko für Entführungen und terroristische Anschläge gilt als hoch.

Der Tourismus in Tunesien ist durch die Revolution von 2011 eingebrochen. Terroristische Attentate haben für den Ausblieb der letzten mutigen Reisenden gesorgt. Viele Tunesier haben dadurch ihre Arbeit verloren. Perspektivlosigkeit trotz guter Ausbildung, eine stagnierende Wirtschaft und immer noch keine Kommunalwahlen. Was wurde durch die Protestbewegung errungen?

Sechs Jahre nach der Revolution - Bemerkenswerte Erfolge, aber Hoffnung auf viel mehr

Die tunesische Regierung hat eine demokratische Verfassung verabschiedet, die unter anderem die Meinungs- und Pressefreiheit festschreibt. Dafür haben die Tunesier gekämpft. Youtube, Facebook und Blogs mit regierungskritischen Inhalten werden nicht mehr gesperrt. Es gibt ein gewähltes Parlament und einen gewählten Präsidenten. Die Regierung arbeitet an der Umsetzung der Dezentralisierungsreform mit der Regionen, Kommunen und damit die Stimmen der Bürger gestärkt werden. Die Umsetzung der Verfassung und das Umdenken im Sinne gleichberechtigter bürgerlicher Teilhabe wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber so sind demokratische Prozesse: abstimmungsintensiv und langwierig, dafür im besten Falle aber transparenter und gerechter als ein zentralstaatliches Imperium, das an den Menschen vorbei aus der Ferne regiert.

In der Zwischenzeit sollten wir nicht vergessen, was das Land aller aktueller Probleme zum Trotz zu bieten hat: Herzlichkeit und Gastfreundschaft, Oasenstädte, eine reiche Kultur - und hilfsbereite Menschen, die die Hoffnung in die Zukunft ihres Land nicht verlieren dürfen. Wer weiß, vielleicht können wir in diesem gerade angebrochenen Jahr bereits wieder unbeschwerter dorthin reisen.

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